Schreiben an das Westfalen-Blatt zu den Berichten über die gegenwärtigen Prozesse gegen Vierundneunzigjährige

An das Westfalen-Blatt

Per Fax:

Leserbrief zu Ihren Berichten über die gegenwärtigen Prozesse gegen Vierundneunzigjährige

Was wird diesen Bürgern vorgeworfen? Weshalb werden sie angeklagt, einundsiebzig Jahre nach Kriegsende?

Ihre angebliche Straftat besteht darin, daß sie als junge Männer im 4/5. Kriegsjahr in ein Konzentrationslager abkommandiert wurden, um dort Dienst zu tun. Entweder in der Verwaltung oder als Wachmann, in der Kleiderkammer, in der Küche oder auch als Sanitäter in der Krankenstation, wie der jetzt für zwei Monate Dienst in Auschwitz in Brandenburg angeklagte Fünfundneunzigjährige.

Im Fall des in Detmold Angeklagten heißt es in der Zeitungsankündigung für den am 11. Februar beginnenden Prozess, daß der Angeklagte beteiligt gewesen sei an der Ermordung von einhundertsiebzigtausend Juden. In der nächsten Zeile wird dann darauf hingewiesen, daß eine aktive Beteiligung an Verbrechen dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden konnte. Somit bestand seine Straftat darin, daß er im Konzentrationslager anwesend war. Er war dorthin aber abkommandiert worden.

Im Grundgesetz gibt es einen Artikel 103, welcher bis heute geltend sagt:

„Art. 103, (2) Eine Tat kann nur bestraft werden, wenn die Strafbarkeit click here gesetzlich bestimmt war, bevor die Tat begangen wurde.“

War die Abkommandierung zum Dienst in Auschwitz eine gesetzlich bestimmte Straftat zu der Zeit, als der jetzt Angeklagte dort eingesetzt wurde? Natürlich nicht. Also ist die ganze Anklage bereits aus diesem Grunde hinfällig.

Wieso machen Anwälte des Rechtes und Richter das mit?

In dem Prozeß in Hamburg (November 2015) habe ich mir noch einmal von Richter und Staatsanwältin versichern lassen, daß das Grundgesetz und das Völkerrecht die verbindliche Rechtsgrundlage für alle Politiker und Gerichte bis heute sind.

Wenn die Presse sich von dem Odium der Lügenpresse freimachen will, dann wäre es wirklich an der Zeit, daß sie diese Rechtsbrüche nachprüft und bekanntmacht. Außerdem wünschen wir zu wissen, wer das Urteil des Bundesgerichtshofes von 1968 außer Kraft gesetzt hat und nach welchen Rechtsgrundlagen? Dort wurde eindeutig festgelegt, daß auch ein in Auschwitz Beschäftigter nur verurteilt werden kann, wenn ihm die persönliche Beteiligung an einem Verbrechen nachgewiesen werden kann. Wieso wurde dieses Urteil, und durch wen, mit dem Demjanjuk-Prozeß aufgehoben?

Ursula Haverbeck, Vlotho

Bildquelle: Andreas Hermsdorf |pixelio.de