Sanfte Energie im Überfluß – Die „Kleinkraftwerke“

Unbenannt-1Die Entscheidung über den Ausstieg aus der Atomenergie oder deren Beibehaltung hängt wesentlich ab von zwei Faktoren:
Von unserem Menschenbild und dem Stellenwert, den wir der Wirtschaft im Volksganzen geben. Wer dient wem? Die Bezeichnung „Bedienungsanleitung“, die wir Apparaten beifügen, statt Nutzungsanleitung, ist verräterisch.

In der Energiediskussion, die sich mit immer größeren „Blockleistungen“ aus Werken von 1200 Megawatt befaßt, ist die Vielzahl der immer noch gut funktionierenden Kleinkraftwerke völlig in Vergessenheit geraten. Nicht einmal eine anständige Abkürzung hat man ihnen gelassen, seitdem die Atomkraftwerke (AKW’s) zu Kernkraftwerken (KKW’s) umbenannt wurden. KlKrW klingt wirklich schlecht.

Diese Kleinproduzenten erzeugen eine permanente Wärme von 36,5 Grad, bei geringer Wärmeisolierung und gleichgültig ob Außentemperaturen von minus 50° oder von plus 30° herrschen. Die Erzeugte Energie reicht aus, um 60 bis 100 Kilogramm Gewicht mit 5-10 Stundenkilometern fortzubewegen oder 10-100 Kilogramm zu heben und zu tragen. Im Gegensatz zu der lächerlich kurzen Lebensdauer von 20-30 Jahren bei Atomreaktoren haben diese Kleinkraftwerke heute in der Bundesrepublik eine durchschnittliche Lebenserwartung von 70 Jahren. Unvergleichlich sind sie aber in ihrer Eigen-Reproduktion, eine Fähigkeit, die jedem anderen Kraftwerk bisher fehlt.

Außerdem sind diese Zwerge in der Energieproduktion gewissermaßen „Allesbrenner“ click here und was für sie selber gilt, gilt auch für ihre Brennstoffe, sie sind nicht auf die knappen endlichen, sondern auf die fortpflanzungsfähigen angewiesen. Wir haben inzwischen 4 Milliarden solcher Kleinenergieproduzenten auf der Erde. Sie haben neben den vielen genannten Vorzügen nur einen Fehler:
sie können denken, und sie richten seit etwa 100 Jahren dies Denken vor allem darauf, wie sie ihre eigene leichthandhabbare Energie durch Fremdenergie ersetzen können, für deren Brennstoffbeschaffung sie inzwischen die ganze Erde und nun auch die Meere durchwühlen ohne Rücksicht auf Verluste.

Selbst eine radioaktive Vergiftung sind sie bereit, für diesen „Einsatz“ in Kauf zu nehmen. Es ist schade, daß das in sich so Vollkommene so unvollkommen wird, wo es beginnt, eigenständig zu denken. ( „Stimme des Gewissens“, März 1982)
Im Jahre 2011 können wir hinzufügen:
In der Bundesrepublik haben wir zur Zeit etwa 3 Millionen stillgelegte Kleinkraftwerke, eine Reserve, die im Zusammenhang mit dem Atomausstieg bisher nicht mit einbezogen wurde. Das wäre sicher sinnvoll, wenn wir von dezentraler Energieversorgung sprechen. Nicht nur stillgelegte Großkraftwerke wie Atomreaktoren kosten pro Tag oder Jahr eine Unsumme, das gilt genau so für 3 Millionen stillgelegter Kleinkraftwerke. Man spricht dann von Arbeitslosen oder unverständlicherweise von Hartzvierempfängern.

Ursula Haverbeck

(erschienen in der Stimme des Reiches Mai-Juni 2011)