Niemand kann zwei Herren dienen

371033_original_R_B_by_stromie_pixelio.deKaum ein Vierteljahr im Amt, überrascht die neue rot-grüne Regierung bereits mit einer Gesetzesvorlage zur doppelten Staatsbürgerschaft. Nach Ansicht der Regierung soll damit die Integration der in Deutschland lebenden Ausländer erleichtert werden, nach Ansicht der Opposition wird sie dadurch erschwert. Integration wollen beide. Etwas anderes zu sagen, gilt in dieser Demokratie als ausländerfeindlich.

Eine Integration erscheint aber auch deshalb unverzichtbar, weil sonst die Ghettobildung weiter gefördert wird, soziale Spannungen aus Angst und Überfremdung entstehen, sowie eine immer mehr außer Kontrolle geratende Kriminalität, gefördert durch Entwurzelung und Arbeitslosigkeit, die einen besonders hohen Prozentsatz jugendlicher Ausländer betrifft.

Das schöne Wort Integration als politisches Ziel stammt aus den USA und wurde eines der verhaßtesten Wörter für die Indianer, denen dieser Begriff galt. Denn Integration bedeutet nichts anderes als die eigene Identität aufgeben. Für deutsche Verhältnisse heißt das: eindeutschen, oder mit negativem Akzent behaftet „germanisieren“.

Daß dies durchaus Erfolg haben kann, haben die früheren polnischen Saisonarbeiter oder die Hugenotten bewiesen, die in großer Zahl zu Deutschen wurden. Doch beide waren christliche Abendländer und hatten mit ihrem neuen Wirtsvolk viele Gemeinsamkeiten. Jetzt handelt es sich vornehmlich um türkische Moslems, die den weitaus größten Teil der in Deutschland lebenden Ausländer ausmachen, und deren Integration gefördert werden soll. Umfragen haben ergeben, daß gerade diese Gruppe von Ausländern besonders an der doppelten Staatsbürgerschaft interessiert ist.

Aber integrieren wollen sich auch diese türkischen Moslems nicht, das ist unschwer aus ihrem Verhalten aus den vergangenen 25 Jahren abzulesen. Sie leben immer noch weitgehend unter sich als Türken in Deutschland (siehe Kreuzberg als zweitgrößte türkische Stadt!).

Mit der zusätzlichen deutschen Staatsbürgerschaft werden die islamischen Türken nicht Deutsche. Aber sie erhalten das Recht, in unserem Land politisch mitzubestimmen. Sie werden dies logischerweise als islamische Türken tun, die sie waren und bleiben. Zunächst wird die Partei von ihnen unterstützt werden. die bereit ist, ihnen Zugeständnisse zu machen. Dann läßt sich eine eigene türkische Partei begründen, die schnell mehr Mitglieder als F.D.P. und Grüne zusammen haben könnte, z.B. durch Familienzusammenführung, die bei deutschen Staatsangehörigen selbst verständlich erfolgen muß. Dadurch kann die Zahl der deutschen stimmberechtigten Türken sehr schnell um eine halbe bis eine ganze Million anwachsen. insbesondere für die Islamisten bieten sich hier Möglichkeiten von größter Bedeutung. Sie haben seit langem der Demokratie und dem Christentum den Krieg angesagt. Allein die Geschichte der Türkei in diesem Jahrhundert macht dies überdeutlich.

Von den 1,85 Millionen Armeniern – eines der ältesten christlichen Völker – leben in dem von den Türken besetzten Gebiet etwa noch 65.000 bis 100.000. Sie wurden durch brutalen Völkermord umgebracht oder vertrieben – weil sie Christen waren. Von den immer noch im Westen der Türkei lebenden Millionen Griechen wurden bereits in den zwanziger Jahren etwa anderthalb Millionen vertrieben, von den 500.000 Griechen in Istanbul um 1900 sind heute nur noch zweieinhalbtausend übrig, und weniger als 10.000 im ganzen Land, als Folge einer unerträglichen Anti-Griechen- Politik mit Pogromen, Vergewaltigungen, Totschlag und brutalster Vertreibung. Noch zwischen 1955 und 1964 kam es zu blutigen Exzessen durch fanatische islamistisch-chauvinistische Marodeure. Kirchen wurden niedergebrannt und zerstört, ebenso Klöster, griechische Schulen und Friedhöfe verwüstet. Am l 6.3.1964 sind die letzten überlebenden Griechen mit griechischem Paß click here innerhalb von zwei Tagen aus dem Lande vertrieben worden.

Ähnliches trifft für die Syrisch-Orthodoxen zu. Das „Schöne Antiochia“, einst die „Krone des Ostens“ genannt Zentrum einer der ältesten christlichen Kirchen. ist heute nur noch ein Schatten seiner selbst. Zu Beginn unserer Zeitrechnung lebten dort mehr als 300.000 Menschen. Heute leben in der türkisch Antakya genannten Stadt weniger als 50.000 Menschen. Die Reste der syrisch-orthodoxen Bevölkerung führen mehr oder weniger ein Untergrunddasein in beständiger Angst. Rolf Stolz sagt in seinem Buch Kommt der Islam?“, 1997 bei Herbig erschienen (S. 182): „Der Golgatha- Weg der türkischer Christen wird daran deutlich, daß immer wieder christliche Soldaten in der türkischen Armee schikaniert, malträtiert, ja sogar ermordet werden. Von daher rührt der Brauch, daß alle aramäischen Christen, wenn sie um Militär eingezogen werden, zuvor in einer kirchlichen Zeremonie die Sterbesakramente erhalten.“ Dies alles geschieht, obwohl nach der noch geltenden türkischen Verfassung Religionsfreiheit garantiert wird. Doch der islamistische Fundamentalismus in der Türkei ist in beängstigendem Vormarsch.

Reisende zu den frühen Stätten der Christenheit berichten übereinstimmend, daß es heute in Antiochia keine einzige Kirche gibt, die – wie die Marxisten sagten – noch arbeitet. Uralte armenische Kirchen und Klöster wurden für militärische Schießübungen benutzt.

Nun können die deutschen „Gutmenschen“ ja sagen: Wir sind seit langem aus der Kirche ausgetreten und haben mit diesem „Opium fürs Volk“ längst Schluß gemacht. Wir werden also vom Islam nichts zu befürchten haben. Daß dies ein Kurzschluß ist, beweist das Schicksal der Kurden.

Während der Nordosten der Türkei große Teile Armeniens okkupiert hat, ist der Südosten kurdisches Gebiet, in dem noch heute etwa acht Millionen Kurden leben. In der Türkei dürfen sie sich jedoch nicht Kurden nennen, sondern dort heißen sie Bergtürken, obwohl „das Kurdische vom Türkischen etwa ebenso weit entfernt ist wie Deutsch oder Englisch von Kisuaheli“ (Günther Deschner, „Die Kurden – Das betrogene Volk“. Ullstein 1991). Die Kurden kämpfen um nichts anderes als um ihre Eigenständigkeit, um die Erhaltung ihres eigenen Volkstums und ihrer Sprache. Deswegen werden sie zu Staatsfeinden erklärt und von der Türkei immer wieder mit Krieg überzogen, bei dem furchtbare Blutbäder auch unter der Zivilbevölkerung angerichtet werden. Ein türkischer Ministerpräsident erlaubt es sich, in einem Fernsehinterview auf Befragen zu sagen: „In der Türkei gibt es keine Minderheiten. Wir haben nur Türken.“ Wenn verfolgte Christen aus der Türkei oder Kurden die deutsche Staatsbürgerschaft anstreben, dann ist das bei den gegebenen Verhältnissen in der Türkei zu verstehen und vielfach der letzte Ausweg. Für Türken kann dies kaum gelten, und nur diese könnten ein Interesse daran haben, gleichzeitig einen türkischen Paß zu behalten.

Wir müssen von jedem Politiker unseres Landes, der für doppelte Staatsbürgerschaft und allgemeine Integration von Ausländern eintritt, verlangen, daß er die Verhältnisse vor Ort in der Türkei selber in Augenschein nimmt, daß er so gründliche Untersuchungen wie Günther Deschner „Die Kurden“ und Rolf Stolz „Kommt der Islam?“ sorgfältig studiert. Die Bücher sind deutsch geschrieben. Wer meint, dies als ausländerfeindlich oder gar rassistisch ablehnen zu dürfen, der kann als Politiker nicht mehr ernst genommen werden, bedient er sich doch primitiver Totschlagargumente, wo umfassende Sachinformation und sorgfältiges Abwägen gegensätzlicher Interessen gefragt wären.

Ursula Haverbeck

(Veröffentlicht in der Stimme des Reiches Nr. 3/2011)

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