Errare humanum est! (Irren ist menschlich)

AtomkraftwerkDaß ein GAU (größter anzunehmender Unfall) bei Nutzung von Atomenergie aus Kernspaltung nicht völlig auszuschließen ist, das wissen alle Betreiber, alle Politiker und auch die noch selbständig denkenden Bürger. Der unvollkommene Mensch – der zwar berechtigt ist, vom Gott in sich zu sprechen -, ist eben nicht Gott in seiner Vollkommenheit, sondern dem Irrtum unterworfen. Das ist der Preis der Freiheit. Also: Ein GAU ist nicht zu vermeiden.

Was wir nicht wissen, ist, wann er eintreten wird. Nun ist er ausgerechnet in dem Land, das als erstes in der Welt die furchtbaren Auswirkungen einer Atomexplosion bei dem Atombombeneinsatz durch die Amerikaner erleiden mußte – noch nach Ende des Zweiten Weltkrieges – eingetreten.

Alle Horrorszenarien, die von der AAK-Bewegung (Anti-Atom-Kraft) in den sechziger Jahren ausgemalt wurden, um vor diesem Weg zu warnen, werden in dem dicht besiedelten Land Japan nun offenbar übertroffen. Diese Warnungen gibt es in der Bundesrepublik bereits seit am 23. Dezember 1959 das Atomkraftgesetz verabschiedet und in Artikel 74 unter 11a aufgenommen wurde in das Grundgesetz.

Auch in diesem Atomgesetz wurde bereits zugegeben, daß damit ein Restrisiko in Kauf genommen würde. Eine Befragung der Bürger, welche das in jedem Fall auszubaden haben, ob sie dem zustimmen würden, fand nicht statt. Die Vorbereitungen für dieses Gesetz und diese Politik war natürlich schon länger bekannt. So trat bereits seit 1957 eine informierte Bürgerbewegung hiergegen an und organisierte bundesweit Vorträge über die mit dieser neuen Energie verbundenen Risiken. Das Fazit war das oben genannte: „Errare humanum est“, das verbleibende Restrisiko ist zu groß.

Jetzt fragen sich die verunsicherten Politiker in der BRD, die erst vor einem halben Jahr den Schalmeienklängen der Betreiber-Seite erlegen waren, und welche die Verlängerung der Laufzeit per Gesetz festgelegt hatten, was sie aus diesem japanischen Desaster lernen könnten. Da fällt ihnen als erstes ein, daß man nun nicht in Panik geraten dürfe, schließlich gäbe es in der Bundesrepublik weder vergleichbare Erdbeben noch einen Tsunami. Doch das sind nicht die einzigen Ursachen für eine solche Katastrophe.

Auch in Japan begann nach Informationen aus japanischen Zeitungen, wie sie uns ein ehemaliger Mitarbeiter des Goethe-Instituts in Tokio übersetzt hat, die Katastrophe mit dem durch das Erdbeben verursachten Ausfall der Elektrizität und damit die Computersteuerung. Dann folgte die überhohe Tsunamiwelle, die in das System hineinschwappte und weitere Ausfälle verursachte. Die Kühlung wurde unterbrochen, die Überhitzung, die schließlich zur Kernschmelze führt, nahm ihren Lauf.

Nun sind auch unsere Atomkraftwerke computergesteuert in unendlich vielen Bereichen. Auch in der Bundesrepublik gibt es z.B. im Winter den Ausfall von Elektrizität in ganzen Regionen und für mehrere Tage. Noch waren wir in der Lage, bei solchen gefährdeten Anlagen eine Überbrückung herzustellen, doch auch das kann zusammenbrechen.

Hinzu kommt auch noch das bisher immer noch ungelöste Atommüllproblem.
click here /> Es sei hier nur erinnert an das Milliardengrab Asse II und III, sowie auch das immer noch nicht endgültig erforschte Gorleben. Jetzt soll erst einmal durch ein Moratorium, die aber inzwischen gesetzlich gestattete, Laufzeitverlängerung der Atomreaktoren – auch der sehr alten – ausgesetzt werden. Es müsse eine neue grundsätzliche Sicherheitsüberprüfung erfolgen.

Mit einmal scheint der Absturz eines Passagierflugzeuges über einem Atomkraftwerk ein ganz neues Sicherheitsrisiko darzustellen. Die Bürgerbewegung hat allerdings seit Beginn dieser Politik darauf als Möglichkeit hingewiesen.

In den sechziger und siebziger Jahren wurde sie von den großen Parteien und zwar CDU und SPD gleichermaßen heftig bekämpft mit dem Slogan „Die wollen zurück in die Steinzeit“.

Das galt damals auch für den biologischen Landbau. Die Grünen wurden ab 1980 zur Partei. Doch sehr bald zeigte es sich, daß sie links unterwandert, ja, usurpiert worden waren. Sie demonstrierten zwar immer noch gegen Atomkraftwerke in Kapitalistenhand, hielten aber kommunistische Atomkraftwerke vielfach für sicher. Dieser linke Zug verstärkte sich mehr und mehr und führte dazu, daß schon nach wenigen Jahren die deutschbewußten und wertkonservativen Gründer einer Umweltpartei ausgebootet worden waren.

Jetzt ist die Grüne Partei zwar immer noch gegen die Atomkraftwerke aber zugleich auch gegen eine deutsche Politik. Die SPD, zunächst gegen die ökologische Politik, hat diese jetzt ebenfalls in ihr Programm aufgenommen und ist ebenfalls weiterhin antideutsch. Beide verbünden sich mit Chaoten und Antifa gegen die sogenannten Rechten. Das heißt, sie dulden keine wirkliche Opposition, die sich für deutsche Politik einsetzt.

Was wir brauchen, ist eine ökologisch fundierte Politik, die bewußt deutsche Politik machen will. Das Geschehen in Japan erfüllt die seit langem mit dieser Problematik befaßten Bürger mit Grauen. Es wird die Schädigungen von Tschernobyl um ein Vielfaches übersteigen. Dieses Tschernobyl ist aber nicht die einzige Atomkatastrophe, die bisher über die Nutzer dieser risikoreichen Energiegewinnung hereingebrochen ist. Was muß eigentlich noch alles passieren, damit der Mensch von seiner Hybris und seinem Größenwahn wieder zurückkehrt auf den Boden der irdischen und menschlichen Wirklichkeit?

Nach den Verantwortlichen für diesen Irrweg braucht nicht lange gesucht zu werden, es sind die hörigen Politiker der alt-etablierten Parteien CDU/CSU, SPD und FDP, sowie die vom kapitalistischen Zinsgeldsystem abhängigen und getriebenen Manager der Großkonzerne.

Abschließend sei die Frage erlaubt, ob wir Deutsche wirklich um 1970 herum, nachdem die schlimmsten Schäden des Krieges beseitigt worden waren, ein unglückliches, von Armut und Elend gepeinigtes Volk waren ohne Atomenergie und ohne Asylantenströme und ausländische Arbeiter? Nein, wir hatten einen Butterberg, einen Juliusturm (Geld ohne Schulden) und Vollbeschäftigung.

Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gelten dem japanischen Volk. Vielleicht können wir Atomkraftkritiker seit 40 Jahren uns besonders gut vorstellen, was für Ängste die Menschen jetzt in Japan peinigen. Wir bitten und hoffen mit ihnen, daß das Schlimmste doch noch vermieden werden kann und nicht auch noch die Region Tokio evakuiert werden muß. Wohin?

Ursula Haverbeck

Bildquelle: Klaus Brüheim  / pixelio.de