Die 68er und die Vernichtung der deutschen Nuklearindustrie

584284_medium_original_R_B_by_zwiboe_pixelio.deNun beginnt die Kritik an der Atomenergie nicht erst um das Jahr 1970, sondern 1957, als der Arzt Dr. med. habil. Bodo Mannstein seinen „Kampfbund gegen Atomschäden aus militärischer und ziviler Nutzung“ gründete. Damals gab es weder die sogenannten 68er noch die Grünen. Aber es gab die unendlich vielen oberirdischen Atombombenversuche. Diese bedeuteten bereits damals ein großes Gefährdungspotential im Hinblick auf die Anreicherung von Radionukliden in Lebensmitteln, z.B. in Kuh- und Muttermilch. Es waren keine „irregeleiteten Idealisten“, die diesen Kampfbund förderten und dann zum Ostermarsch ausbauten, sondern es waren unter Beteiligung sehr vieler Atomphysiker, Ärzten und Ökologen verantwortungsbewußte Menschen, die hier eine Gefährdung der Menschheit erkannten.

Ich weise nur hin auf die Nobelpreisträger Max Born, Max Planck, Werner Heisenberg, George Wald und Hannes Alvèn neben vielen anderen, wie Professor Ernest J. Sternglass, Professor Erich Huster und Professor Thürkauf. Diese alle können wir doch nicht als unwissende und unkritische irregeleitete Idealisten abtun. Rückblickend läßt sich feststellen, daß in der Atomdiskussion nahezu Entsprechendes zu der Holocaust-Diskussion erfolgte. Wer eine andere, als die politisch erlaubte und erwünschte Beurteilung der Atomenergie veröffentlichte, galt als nicht ernst zu nehmender Ignorant und Technikfeind. Allerdings gab es keinen § 130, der Hinterfragen unter Strafe stellte. Professor Schulien erklärt in einem Aufsatz, die Mafia der geistig zu kurz gekommenen, die seit den 80er Jahren insgeheim die Fäden der Politik zu ziehen begann, ist technik- und industriefeindlich. Das ist eine nicht hinzunehmende Abqualifizierung dieser geistigen Vordenker und Mitbegründer der Atomenergietechnik. Es wird weiter behauptet, diese Linken und Grünen hätten den Auftrag gehabt, die deutsche technische Leistungshöhe und damit den wachsenden Wohlstand Deutschlands zu vernichten.

Es wird nirgendwo, auch gegenwärtig nicht in der erneut click here aufgebrochenen Auseinandersetzung, darauf hingewiesen, oder auch nur dem Gedanken eine Beachtung geschenkt, daß unter Umständen genau diese Tendenz zur Zerstörung der deutschen Wirtschaftskraft dadurch erfolgte, daß man uns zwang, unsere Kohlebergwerke absaufen zu lassen – die US-Kohle sei wesentlich billiger – daß man uns weiter die Leichtwasserreaktoren aufnötigte, womit, wie damals bereits in den Prozessen erkennbar wurde, eine Schwachstelle und verwundbarer Punkt Deutschlands geschaffen wurde. Außerdem wird in all diesen Ausführungen die jetzt wieder aufgenommen werden, der Risikofaktor Mensch ausgeklammert. Es heißt: Es kann, es könnte, es sollte das und das alles gemacht werden. Nur muß zugegeben werden, wie bereits in Tschernobyl ersichtlich und jetzt in Fukushima erneut wiederholt, daß eben dieser Mensch manches nicht macht, was er machen könnte, machen müßte, um einen GAU zu verhindern.

Eine weitere Frage, die vollkommen ausgeklammert wird, ist die Frage nach dem Wirtschaftssystem und des sinnvollen Einsatzes dieser riesigen Mengen von Energie. Das kapitalistische Wirtschaftssystem sagt eindeutig, daß es primär um die Gewinnmaximierung und erst sekundär um die Produktion geht. Und diese Produktion ist zu einem sehr großen Prozentsatz völlig überflüssig und lediglich Rohstoff- und Energievergeudung, deren Ergebnisse nichts mehr mit der Lebensqualität zu tun haben. Der Natur schaden sie eher.

Es geht nicht ohne ein ganzheitliches Denken in dieser Frage. Es muß untersucht werden, wozu wir eigentlich so viel Energie einsetzen? Man denke nur an die Weltraumfahrt und an die riesigen Ausgaben für die Rüstung, diese dient doch ganz eindeutig der Zerstörung und Vernichtung von Rohstoffen. Die alte Devise aus den 70er Jahren „Umdenken – Umschwenken“ gilt immer noch und ist aktueller denn je.

Ursula Haverbeck

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